Landeseissportverbände

Isaak Droißen, Kadersportler aus Oberstdorf, durfte am Deutschen Olympischen Jugendlager während der Olympischen Winterspiele in PyeongChang teilnehmen. Er berichtet wiefolgt von seinen Erlebnissen:

Das Abenteuer „Deutsches Olympisches Jugendlager“ (DOJL) begann für mich letzten Sommer als ich im Eissportzentrum in Oberstdorf nach dem Training von der Eiskunstlaufobfrau des EC-Oberstdorf über das Jugendlager informiert sowie zur Teilnahme motiviert wurde. Sie erklärte mir, welche Idee hinter dem Jugendlager steckt und empfahl mir, mit Teilnehmern aus dem Jahr 2014 zu sprechen. Vor vier Jahren war unser Sport, wie auch in diesem Jahr, stark vertreten. Ich sprach mit Ruben Blommaert, Alexander Plotnikov und Valentin Wunderlich. Alle drei waren vor vier Jahren dabei, garantierten mir es seien unvergessliche zwei Wochen und motivierten mich zur Bewerbung. Mitte Juli, als ich im Trainingslager in Flims (SUI) war, wurden mir die Bewerbungsunterlagen zugeschickt, die ich ausgefüllt und per E-Mail an die Deutsche Olympische Akademie (DOA) gesendet habe. Daraufhin war Abwarten und Hoffen angesagt. Kurz vor dem Rückflug vom JGP in Riga bekam ich dann die erwartete E-Mail mit der offiziellen Bestätigung, dass ich Anfang Februar mit 39 weiteren deutschen Sportlern und zehn Betreuern ins DOJL nach PyeongChang fliegen werde. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, die mir via Crowdfunding geholfen haben den Betrag von 2000 € für die Teilnahme zu stemmen. Besonderer Dank gilt Frau Wolf, die einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hat. Ohne Eure Unterstützung hätte ich niemals am DOJL teilgenommen.

Nun zum konkreten Ablauf. Im Vorfeld des DOJL fand ein dreitägiges Vorbereitungstreffen am zweiten Novemberwochenende letzten Jahres am Landessportbund Hessen (LSB) in Frankfurt am Main statt. Dort hatten alle Teilnehmer und Betreuer die Möglichkeit sich gegenseitig kennenzulernen. Auch der genaue Ablauf des Jugendlagers wurde uns in Frankfurt schon präsentiert. Wir hatten die Chance, sämtliche Informationen über das Land Korea zu bekommen, denn der Generalkonsul der Republik Korea kam vorbei und hielt uns ein Referat über sein Land.

Mitte Januar kam auch schon die Einkleidung in einem großen Paket per Post an. Im November bekam ich die Aufgabe ein „Unboxing“ der Einkleidung zu drehen und auf YouTube hochzuladen. Nun habe ich einen eigenen Kanal auf YouTube, aber dazu später mehr.

Die Anreise erfolgte folgendermaßen: Alle 40 Teilnehmer mussten am 07.02.18 am Morgen am LSB in Hessen erscheinen. Dort wurde uns nochmal der genaue Ablauf erklärt und es fand die sogenannte Ticketbörse statt. Nach einem wirklich fairen System wurden die Tickets für die Wettkämpfe an die Teilnehmer verteilt. Jeder durfte sich vier Wettkämpfe aus einer Auswahl aussuchen und sich für diese Melden. Ich meldete mich bei Biathlon, Shorttrack, weil es in Korea ein Nationalsport ist, Snowboard Halfpipe der Herren, weil das wirklich pure Akrobatik ist, und selbstverständlich für die Kür der Herren beim Eiskunstlaufen. Glücklich, alle meine Wunschwettkämpfe bekommen zu haben, ging es dann zum Mittagessen und danach voller Vorfreude zum Flughafen. Die Reise dauerte insgesamt ca. 20 Stunden. Von Frankfurt sechs Stunden nach Doha (Katar), wo wir eine Aufenthaltsdauer von vier Stunden zu überbrücken hatten, bevor es dann auf direktem Wege zehn Stunden lang nach Seoul/Incheon ging. Anders als die Athleten flogen wir nicht mit der Lufthansa, sondern mit Qatar Airways, was für uns aber kein Problem darstellte, denn es gab W-LAN, Streaming TVs an jedem Sitz, auf dem man sich alle Filme, Serien usw. ansehen konnte, reichlich Verpflegung in Form von Speisen und Getränken sowie Decke und Kissen an Bord. Die lange Flugzeit war somit leicht zu überbrücken und stellte für mich, wie auch die Zeitverschiebung von acht Stunden, kein Problem dar. Man muss sich einfach im Voraus die Schlafzeiten gut einteilen, dann kann man den von vielen gefürchteten Jetlag minimieren und fast vollständig vermeiden. Angekommen sind wir im Hotel in Seoul am Abend. Einerseits ist die Lage des Hotels eher nicht perfekt, da es ein weiter Weg zu den Wettkampfstätten in PyeongChang und GangNeung war, andererseits hatten wir so die Gelegenheit, das Stadtleben der Hauptstadt Südkoreas zu erkunden. Der Weg zu den Wettkampfstätten dauerte ca. eineinhalb bis max. zwei Stunden.

Eindrücke, Erlebnisse aber auch Erfahrungen konnte ich bei den Wettkampfbesuchen sammeln. Beim Biathlon holte Arndt Peiffer die Goldmedaille, zwei weitere Deutsche haben auch ein ausgesprochen gutes Ergebnis eingefahren. Die Stimmung war fantastisch, das DOJL war wie ein kleiner Fanclub vor Ort. Wir hatten die besten Plätze, direkt an der Strecke am Zieleinlauf. Von dort aus konnten wir auch den Start, die Schießstände, den großen Monitor sowie die Strafrunde, die die Athleten bei Schießfehlern laufen müssen, sehen. Ganze vier Mal konnten wir jeden Athleten pro Runde anfeuern.

Beim Shorttrack konnten wir gleich mehrere Disziplinen verfolgen. Bei diesem Wettkampf war die Halle prallvoll mit 12000 Zuschauern. Wir konnten live mitverfolgen wie die Sportler um Gold kämpften. Der Staffellauf, der über ca. 40 Runden ging war das Highlight, denn es war von der ersten Runde bis zur letzten Runde eine knappe Entscheidung. Dann war eine zwanzigminütige Pause zur Eisaufbereitung und ich machte mich auf den Weg zur Toilette. Als ich zurück in die Halle reinging lief der Song „Gangnamstyle“ (mit 2,9 Milliarden Klicks meistgeklicktes Video auf YouTube), vor mir stand eine Kamera und begann mich zu filmen. Ich fing an zu tanzen und der Kameramann filmte mich durchgehend. Das Bild wurde auf den großen Video-Würfeln in der Halle übertragen und die Halle bebte. Nach der Aktion kam Britta Heidemann (Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Fechten) auf mich zu und zeigte mir das Video, das sie aufgenommen hatte. Später stellte sie es auf Instagram online. Danach forderten sämtliche Journalisten aus Deutschland ein Statement zu dieser Aktion.

Beim Snowboard Halfpipe Wettkampf der Herren gewann Shawn White mit einem überragenden Lauf. Es war einfach unbeschreiblich. Die Stille während er seine fast sechs Meter hohen akrobatischen Sprünge absolvierte und der Jubel danach. Bei uns im Team kannte sich zwar keiner mit dieser Sportart aus (in Deutschland gibt es übrigens keine einzige Halfpipe), aber alle waren sich einig, dass Shawn White den Sieg absolut verdient hatte.

Nun zur Kür der Herren beim Eiskunstlaufen: Der Wettkampf fand wie auch der Shorttrack-Wettkampf in derselben Halle in GangNeung statt. Paul Fentz konnte eine solide Leistung in der Kür abrufen und einige Plätze nach oben klettern, Gratulation dazu. Besonders überrascht war ich von Nathan Chen, der mit einer nahezu fehlerfreien Kür mit fünf Vierfachen von Platz 17 nach dem Kurzprogramm mit der besten Kür des Tages am Ende auf Rang vier gelandet ist. Mit einem ähnlich sauberen Kurzprogramm wäre er Olympiasieger geworden. Die Halle war fast ausschließlich von Japanern besucht, die bei zwei Podestplätzen ihrer Landsleute natürlich ordentlich für Stimmung sorgten. Hanyu wieder erster, Shoma Uno mit der Silbermedaille und Xavier Fernandez mit Bronze. Insgesamt fiel das Gesamtergebnis nach der Kür meinen Erwartungen entsprechend aus. In jedem Fall konnte ich viel Motivation aus diesem Wettkampfbesuch schöpfen, mir vor allem von Fernandez, der einen ähnlichen Laufstil wie ich haben soll, so der Kommentator vor einem halben Jahr beim JGP in Riga, ein paar Steps abschauen.

Der letzte Wettkampfbesuch war beim Teamwettkampf Skispringen der Herren. Die Norweger waren absolut konkurrenzlos und gewannen Gold, Deutschland holte Silber und Polen belegte Rang drei. Die Stimmung in unserer Gruppe war ausgelassener als bei den anderen Wettkampfbesuchen, denn hier waren alle 40 Teilnehmer und 10 Betreuer dabei. So langsam sammelten sich immer mehr deutsche Fans um uns rum und es entstand eine Art Fanclub. Wir feuerten alle zusammen Team Deutschland an und sangen Lieder. An diesem Abend waren wir alle zusammen öfter im Fernsehen zu sehen als bei allen anderen Wettkämpfen zuvor. Freunde und Verwandte meldeten sich bei mir und schickten mir Bilder von unserer Gruppe auf dem Fernseher zu.

 

Außerdem durfte jeder Teilnehmer einmal ins Olympische Dorf und sich dort umschauen, sich ansehen wo die deutschen Athleten leben, speisen, wie sie ihre Freizeit verbringen usw. Oft waren wir auch im Deutschen Haus, das allen Teilnehmern des DOJL sehr gefiel. Dort trafen wir oft Athleten, Funktionäre und Bekannte. Ich selbst konnte dort auch viele „Kollegen“ treffen, wie z.B. Bruno, Joti, Ruben, Paul, Martin Scotnicky, Jeff Ballester usw. Auch Fabian Hambüchen konnte ich dort treffen. Im Deutschen Haus trafen wir als Gruppe außerdem den Bundespräsidenten Frank W. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender, den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann, Olympiasiegerin in Rio Laura Ludwig (Beachvolleyball) und Topmodel Lena Gercke, von denen wir Team D – Sonnenbrillen geschenkt bekommen haben. Alle diese Treffen fanden im PK-Raum des Deutschen Hauses exklusiv für das DOJL und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Beispielsweise waren ca. fünf Teilnehmer an jedem Tisch und der Bundespräsident kam für fünf bis zehn Minuten an jeden Tisch und hat mit uns gesprochen.

Das gesamte DOJL ist auch mit allen Teilnehmern und Betreuern an die Nordkoreanische Grenze gefahren. Ein atemberaubendes Erlebnis. Dort haben wir ein einstöckiges Haus besichtigt, in dem sich der Südkoreanische Präsident und der Nordkoreanische Machthaber getroffen haben. Dort steht ein Tisch, der auf der Grenze der beiden Staaten steht. Wir hatten somit die Möglichkeit, ca. fünf Meter ins nordkoreanische Landesinnere zu stoßen. Diese Möglichkeit habe ich wahrgenommen und kann jetzt theoretisch sagen, dass ich bereits in Nordkorea war.

Mein persönliches Highlight der Olympischen Spiele in PyeongChang war die Kür von Aljona und Bruno, für die sie mit olympischem Gold ausgezeichnet wurden. Ich trainiere oft mit ihnen zusammen und sehe die Programme fast jeden Tag, aber die Kür, die sie in PyeongChang gelaufen sind, war etwas ganz Besonderes. Es war wirklich das Schönste, was ich bisher gesehen habe. An dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch! Bruno traf ich bei unserem letzten Besuch im Deutschen Haus beim Abendessen. Dass ich seine Medaille in den Händen halten durfte gab mir so viel Kraft und Motivation. Danke dir Bruno!

Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die mir diese Reise ermöglicht haben, die es mir ermöglicht haben diese wertvollen Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Ich kann es jedem nur empfehlen an einem DOJL teilzunehmen. Die Stimmung war bei allen Events eine hervorragende, eine besondere olympische Stimmung, die mich dazu verleitet hat, sehr viel Motivation für das eigene Training mit nach Hause zu nehmen, um härter, effizienter und zielgerichteter zu Arbeiten als zuvor, um selbst als Athlet bei kommenden Olympischen Spielen zu starten.

 

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